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Der Nahost-Komplex

Der Nahost-Komplex

Von Menschen, Träumen und Zerstörung
von Natalie Amiri 2025 412 Seiten
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Wichtigste Erkenntnisse

1. The Shock of October 7th and its Deep Wounds

Der 7. Oktober 2023 erschütterte die israelische Gesellschaft in ihren Grundfesten, in ihrem Vertrauen in den Staat und seine Schutzmechanismen.

Ein beispielloser Angriff. Der 7. Oktober 2023 markierte den schlimmsten Tag in der Geschichte Israels, als Hamas-Terroristen in den Süden des Landes eindrangen, etwa 1200 Menschen töteten und rund 250 entführten. Die gezielten Infiltrationen verwandelten friedliche Gemeinden wie den Kibbuz Be’eri in Schauplätze von Terror und Verwüstung, hinterließen ein tiefes Trauma und das Gefühl absoluter Verwundbarkeit. Persönliche Geschichten, wie die von Amos Alon, der den Angriff in seinem Schutzraum überlebte, oder die von Matan Zangauker, der 600 Tage in Geiselhaft verbrachte, verdeutlichen das individuelle Leid und die kollektive Erschütterung.

Das Versagen des Staates. Die israelische Regierung, Armee und Geheimdienste hatten im Vorfeld des Angriffs zahlreiche Warnungen ignoriert, was zu einem "völligen Versagen" der Schutzmechanismen führte. Dies untergrub das Vertrauen der Bevölkerung in die Fähigkeit des Staates, seine Bürger zu schützen, und radikalisierte die politischen Ziele. Familien wie die von Roni Eshel, einer jungen Späherin, die die Bedrohung erkannte, aber ignoriert wurde, fordern bis heute eine staatliche Untersuchungskommission, die jedoch von Premierminister Netanjahu blockiert wird.

Ein Trauma ohne Ende. Die Geiselnahme von Israelis in Gaza hält das Trauma in der Gesellschaft lebendig. Solange Geiseln festgehalten werden, bleibt der Schmerz bestehen und beeinflusst das tägliche Leben vieler Israelis, die keine Freude mehr empfinden können. Die ständige Präsenz des Themas spaltet die Gesellschaft und führt zu wachsendem Druck auf die Regierung, den Krieg zu beenden und die Geiseln zurückzuholen, auch wenn dies militärische Ziele beeinträchtigen könnte.

2. Gaza's Struggle for Survival Amidst Devastation

Seit dem 7. Oktober gibt es in Gaza kein Leben mehr. Es gibt nur Überleben – für die, die noch da sind.

Ein Leben im Überlebensmodus. Mohammad Abu Saif beschreibt Gaza als einen Ort, an dem schon vor dem 7. Oktober kein normales Leben möglich war, geprägt von wirtschaftlicher Misere, hoher Arbeitslosigkeit und eingeschränkter Bewegungsfreiheit. Nach dem 7. Oktober verwandelte sich das Leben in ein reines Überleben, mit täglichen Todeszahlen, die für Mohammad Namen und Gesichter sind. Die Zerstörung ist allumfassend:

  • 70% aller Gebäude zerstört oder beschädigt.
  • 501 von 564 Schulen müssen neu gebaut oder saniert werden.
  • 90% der Straßen zerstört oder beschädigt.
  • Über 50 Millionen Tonnen Bauschutt.

Humanitäre Katastrophe und psychische Folgen. Die humanitäre Lage ist katastrophal, mit 100% Ernährungsunsicherheit und katastrophalem Hunger für über 20% der Bevölkerung. Psychologin Nina Schöler berichtet von einer transgenerationalen Traumatisierung, die ein unvorstellbares Ausmaß erreicht hat, und Kinder, die ihre Kindheit verloren haben. Die Menschen sind ständig auf der Flucht, leben in Notunterkünften und klammern sich an jeden Funken Leben, obwohl viele die Hoffnung verloren haben und lieber sterben würden, als verletzt zu werden.

Die Hamas und die Zivilbevölkerung. Mohammad betont, dass die Hamas nur einen Teil der Bevölkerung repräsentiert und die meisten Menschen in Gaza diesen Wahnsinn nicht mehr wollen. Trotzdem werden palästinensische Stimmen oft pauschal als "Terrorpropaganda" abgetan, während internationale Journalisten keinen freien Zugang zu Gaza erhalten. Die israelische Militäroperation, die von einigen Kabinettsmitgliedern als "Auslöschung Gazas" bezeichnet wird, hat die Zivilbevölkerung in eine ausweglose Lage gebracht, in der es keine "sicheren Zonen" gibt.

3. Netanyahu's Survival Strategy and Israel's Deepening Divide

Alles, was Netanjahu in den letzten fünf Jahren getan hat, war darauf fokussiert, ein Geräusch zu vermeiden – dasjenige eines Tores, das hinter seinem Rücken ins Schloss fällt.

Macht als Sauerstoff. Benjamin Netanjahu, seit Jahrzehnten eine prägende Figur in der israelischen Politik, wird vorgeworfen, seine politische Karriere über das Wohl des Landes zu stellen. Seine "messianische Mission", Israel zu retten, verschmilzt in seiner Wahrnehmung mit seinem eigenen Überleben. Korruptionsvorwürfe und der Wunsch, einer Verurteilung zu entgehen, treiben ihn dazu, seine fragile Koalition mit rechtsextremen Partnern um jeden Preis zu halten, selbst wenn dies bedeutet, deren radikale Agenda zu verfolgen.

Verantwortung für den 7. Oktober. Netanjahu trägt laut Kritikern die volle Verantwortung für das Versagen am 7. Oktober, da er Warnungen ignorierte und die Hamas jahrelang indirekt stärkte, um eine Zwei-Staaten-Lösung zu verhindern. Er nutzte die Bedrohung durch den Iran und die Hamas, um sich als "Mr. Security" zu inszenieren und seine Macht zu sichern. Die Weigerung, eine unabhängige Untersuchungskommission einzusetzen, und seine Abwesenheit bei Gedenkveranstaltungen verstärken den Eindruck, dass er eine Aufarbeitung scheut.

Spaltung und Manipulation. Netanjahus Politik hat zu einer tiefen Spaltung der israelischen Gesellschaft geführt, indem er auf Dichotomien von Gut und Böse setzt und liberale Institutionen als Feinde darstellt. Die Medienberichterstattung in Israel konzentriert sich stark auf das eigene Leid, während das palästinensische Leid kaum sichtbar ist, was die unterschiedliche Wahrnehmung verstärkt. Seine Fähigkeit, sich aus scheinbar ausweglosen Situationen zu befreien, macht ihn zu einem "Überlebenskünstler", der bereit ist, jeden Preis zu zahlen, um an der Macht zu bleiben.

4. The Systematic Occupation of the West Bank

Es war empörend normal gewesen, weil ich – abgesehen von den Zeiten der Intifadas – ein ganz normales Leben geführt habe.

"Empörend normal" leben. Dan Sobovitz, ein ehemaliger Siedler, beschreibt seine Kindheit im Westjordanland als "empörend normal", da er in einer privilegierten jüdischen Siedlung aufwuchs, ohne die Realität der Besatzung oder die Rechte seiner palästinensischen Nachbarn zu kennen. Diese Normalität für Israelis steht im krassen Gegensatz zur systematischen Diskriminierung und Gewalt, der Palästinenser ausgesetzt sind. Die Landkarten in israelischen Schulbüchern zeigen oft kein Westjordanland, sondern ein "Groß-Israel", was die Wahrnehmung der Besatzung als legitimen Teil des Landes fördert.

Ein System der Kontrolle. Yehuda Shaul von "Breaking the Silence" erklärt, dass die Siedlungen kein rein messianisches Projekt sind, sondern Teil einer strategischen Politik, maximale Gebiete bei minimaler palästinensischer Bevölkerung zu kontrollieren. Das Westjordanland ist in A-, B- und C-Gebiete unterteilt, wobei Israel die vollständige Kontrolle über 60% des Landes (C-Gebiete) behält. Hier ist es für Palästinenser nahezu unmöglich, Baugenehmigungen zu erhalten, während israelische Siedlungen massiv ausgebaut werden.

  • 160 Siedlungen mit ca. 700.000 jüdischen Israelis.
  • 898 israelische Kontrollpunkte und Sperranlagen.
  • Palästinenser dürfen viele Straßen nicht nutzen.

Siedlergewalt und Vertreibung. Seit dem 7. Oktober hat die Siedlergewalt massiv zugenommen, oft unterstützt durch die Regierung, die den Waffenbesitz unter Siedlern fördert. Ganze palästinensische Gemeinden werden vertrieben, ihre Häuser zerstört und Olivenhaine abgebrannt, wie im Dorf Umm al-Khair. Die Siedler agieren oft als "zivile Verteidigungseinheiten" mit militärischer Ausrüstung, während palästinensische Opfer verhaftet werden. Basel Adra, Oscar-Gewinner aus Masafer Yatta, erlebt, dass sein Leben seit dem Film noch gefährlicher geworden ist, da die Siedler wütend sind, dass seine Geschichte weltweit bekannt ist.

5. German Media and the "Staatsräson": A Crisis of Credibility

Ich finde, wir müssen durch Sprache gewisse Realitäten schaffen.

Verlorenes Vertrauen. Die deutsche Medienberichterstattung über den Nahost-Konflikt hat massiv an Glaubwürdigkeit verloren, was sich in einem starken Misstrauen der Bevölkerung widerspiegelt. Eine Kombination aus Angst, Unwissen, Einschüchterung und Gruppenkonformität prägt die Berichterstattung. Georg Restle vom ARD-Magazin Monitor kritisiert, dass das journalistische Handwerk oft nicht sauber angewendet wird und IDF-Meldungen unkritisch übernommen werden, während palästinensisches Leid marginalisiert wird.

Selektive Empathie und Sprachwahl. Kritisiert wird der unverhältnismäßige Fokus auf israelisches Leid, während palästinensisches Leid oft als "Kollateralschaden" dargestellt wird. Israelische Gewalt wird als "Verteidigung" oder "Vergeltung" bezeichnet, während palästinensischer Widerstand pauschal als "Terror" gilt. Diese Ungleichbehandlung, so Sophia Maier, beruht auf selektiver Empathie und führt dazu, dass strukturelle Gewalt wie Besatzung und Apartheid kaum thematisiert werden. Die Angst vor dem Vorwurf des Antisemitismus lähmt viele Journalisten und führt zu Selbstzensur.

Die "Staatsräson" als Totschlagargument. Die von Angela Merkel formulierte "Staatsräson", die Sicherheit Israels als Teil der deutschen Staatsräson zu betrachten, wird oft als Totschlagargument missbraucht, um Kritik an israelischer Politik zu unterbinden. Kai Ambos betont, dass die Staatsräson nicht über dem Grundgesetz und dem Völkerrecht steht. Diese inkonsequente Anwendung völkerrechtlicher Prinzipien, etwa im Vergleich zu Russlands Besatzung der Krim, schadet Deutschlands Glaubwürdigkeit im Globalen Süden und führt zu Boykottkampagnen wie "Strike Germany".

6. Iran's "Axis of Resistance" Crumbles

Die Islamische Republik hat sich Ende 2024 einem Punkt genähert, an dem sie nie mehr sein wollte: Sie droht wieder als ein isolierter schiitischer, nichtarabischer Staat gesehen zu werden, geopolitisch umzingelt von Sunniten, die immer weniger Gründe haben, Irans Machtanspruch anzuerkennen.

Der "Scheinriese" Teheran. Die Islamische Republik Iran, die sich jahrzehntelang als mächtige Regionalmacht inszenierte, musste nach dem 7. Oktober 2023 eine massive Schwächung ihrer "Achse des Widerstandes" hinnehmen. Die Tötung von Hisbollah-Führer Nasrallah und der Sturz des Assad-Regimes in Syrien haben Teheran seine wichtigsten Verbündeten und Transitwege für Waffenlieferungen gekostet. Der erste direkte Angriff auf Israel im April 2024 offenbarte die militärische Unterlegenheit des Regimes, da die meisten Raketen und Drohnen abgefangen wurden.

Strategie der Stellvertreter gescheitert. Die "Achse des Widerstandes", ein Netzwerk paramilitärischer Stellvertreter wie Hisbollah, Hamas und Houthis, wurde mit Milliarden US-Dollar aufgebaut, um das Regime zu sichern und Israel zu bedrohen. Doch diese Strategie ist gescheitert:

  • Hamas und Hisbollah massiv geschwächt.
  • Assad-Regime gestürzt, Syrien als Verbündeter verloren.
  • Schiitische Milizen im Irak ziehen sich unter Druck zurück.
  • Houthis im Jemen agieren zunehmend eigenständig.
    Die Islamische Republik hat bei ihren Verbündeten massiv an Ansehen verloren, da sie im Ernstfall keine aktive Unterstützung leistete.

Interne Schwäche und Doppelmoral. Das Regime ist intern durch massive Armut, Hyperinflation und Korruption geschwächt. Die Bevölkerung, von der eine große Mehrheit die Islamische Republik ablehnt, leidet unter den Kosten des Atomprogramms und der regionalen Militärpolitik. Die Doppelmoral der Elite, die ihre Kinder in den Westen schickt und Luxus genießt, während sie das Volk unterdrückt, untergräbt die Glaubwürdigkeit des Regimes zusätzlich. Die Infiltration des Sicherheitsapparats durch den Mossad hat zu massivem Misstrauen geführt und die Suche nach Spionen im eigenen Land verstärkt.

7. Lebanon's Perpetual Struggle for Sovereignty

Die Hisbollah hat uns mit ihren Waffen noch nie verteidigt, vielleicht die Palästinenser, aber uns haben sie immer nur Krieg gebracht, sie brauchen den Krieg, um die Unterdrückung der Menschen im Libanon zu rechtfertigen.

Ein Staat in Geiselhaft. Der Libanon, ein Land mit 18 anerkannten Religionsgemeinschaften und einem konfessionellen Machtverteilungssystem, ist seit Jahrzehnten von politischer Lähmung, Korruption und externer Einmischung gezeichnet. Die Hisbollah, vom Iran finanziert und bewaffnet, agiert als "Staat im Staat" und blockiert die Regierungsarbeit durch ihr Veto. Die Ermordung des schiitischen Verlegers Lokman Slim, der einen "dritten Weg" für die Schiiten im Libanon suchte und die Hisbollah kritisierte, symbolisiert die Kultur der Straflosigkeit und die Gefahr für Andersdenkende.

Zerstörung und Misstrauen. Die massive Schwächung der Hisbollah durch israelische Angriffe im Herbst 2024, einschließlich der Tötung ihres Anführers Hassan Nasrallah, hat die Organisation militärisch und finanziell ausgezehrt. Doch die Menschen im Südlibanon, die sich vom Staat im Stich gelassen fühlen, halten oft an der Hisbollah fest, da sie ihr mehr Schutz zutrauen als der schwachen libanesischen Armee. Die Zerstörung im Süden des Landes ist immens, und die Angst vor weiteren Eskalationen bleibt allgegenwärtig.

Die Last der Flüchtlinge und die Wirtschaftskrise. Die libanesische Wirtschaft leidet unter einer der schwersten Krisen weltweit, mit Hyperinflation und einem kollabierten Bankensystem. Millionen Menschen haben keinen Zugang zu ihren Ersparnissen. Hinzu kommt die hoffnungslose Lage der palästinensischen Flüchtlinge in zwölf Lagern, die von UNRWA versorgt werden, da der libanesische Staat sie diskriminiert und ihnen viele Berufe verbietet. Die Entwaffnung der Hisbollah, eine Forderung der USA und der neuen libanesischen Regierung, bleibt eine immense Herausforderung, die das Land erneut in einen Bürgerkrieg stürzen könnte.

8. Syria's Fragile Liberation and New Challenges

Wir atmen die Luft der Freiheit!

Assads Fall und die neue Hoffnung. Nach 54 Jahren kollabierte das Assad-Regime im Dezember 2024 innerhalb von elf Tagen, gestürzt von HTS-Rebellen unter Ahmed al-Scharaa. Die Flucht Assads nach Moskau löste bei Millionen Syrern weltweit Jubel und Erleichterung aus. Die Hoffnung auf Freiheit und eine strahlende Zukunft ist riesig, wie Nagham, eine junge Christin aus Damaskus, begeistert berichtet. Die syrische Zivilgesellschaft, die jahrzehntelang unterdrückt wurde, sieht nun ihren Moment gekommen, um ein neues, inklusives Syrien aufzubauen.

Ein Land in Trümmern. Die neue Regierung steht vor gewaltigen Herausforderungen: Syrien ist bankrott, die Infrastruktur weitgehend zerstört, und 90% der Bevölkerung leben in bitterer Armut. Der Wiederaufbau erfordert Milliarden aus dem Ausland, doch dafür muss al-Scharaa beweisen, dass er kein islamistisches Kalifat errichten will. Die Entwaffnung der zahlreichen Milizen und die Integration der verschiedenen ethnischen und religiösen Gruppen sind komplexe Aufgaben, die von tiefem Misstrauen geprägt sind.

Fragile Stabilität und externe Einmischung. Trotz der anfänglichen Euphorie bleibt die Lage fragil. Massaker an Minderheiten wie den Alawiten und Drusen zeigen die anhaltende Gefahr religiösen Extremismus und die Grenzen von al-Scharaas Integrationsstrategie auf. Israel und die Türkei nutzen das Machtvakuum, um ihren Einfluss in Syrien auszubauen, was zu einer gefährlichen Nähe regionaler Mächte führt. Die Normalisierung mit Israel, die al-Scharaa in Aussicht stellt, könnte ein politisches Erdbeben bedeuten, doch die Umsetzung ist ungewiss und von vielen Bedingungen abhängig.

9. Rojava's Fight for Autonomy and Recognition

Wir haben acht Jahre den Islamischen Staat bekämpft, und jetzt sitzt der IS mit Anzug in Damaskus.

Heldinnen im Kampf gegen den IS. Die kurdischen Kämpferinnen der YPJ, Teil der Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF), wurden 2014 im Kampf gegen den Islamischen Staat in Kobane zu weltweiten Heldinnen und wichtigen Verbündeten der USA. Ihre Autonome Region Nord- und Ostsyrien (AANES), auch Rojava genannt, ist ein progressives Modell mit Frauenkommunen, Frauenräten und einer 50%-Geschlechterquote, basierend auf den Lehren Abdullah Öcalans. Mezgin, eine YPJ-Kommandeurin, berichtet vom Stolz, den IS gedemütigt zu haben, insbesondere als Frauen.

Die Last der IS-Gefangenen. Die Kurden tragen die Hauptlast der Internierung tausender IS-Kämpfer und ihrer Familien in Camps wie al-Haul und Roj. Diese Lager sind Brutstätten der Radikalisierung, in denen die Gesetze des Kalifats noch herrschen und Kinder mit Steinen werfen und Hass lernen. Jihan Hanan, Leiterin von al-Haul, beklagt die mangelnde internationale Unterstützung und die Gefahr, dass diese "tickende Zeitbombe" explodiert, wenn die USA ihre Truppen abziehen. Viele Staaten weigern sich, ihre eigenen IS-Bürger zurückzunehmen.

Bedrohung durch die Türkei und Damaskus. Trotz ihres Kampfes gegen den IS werden die Kurden von der Türkei als Terrororganisation eingestuft und militärisch bekämpft. Die Türkei hat Gebiete wie Afrin besetzt und versucht, die demografische Zusammensetzung zu ändern. Die PKK-Entwaffnung im Juli 2025 könnte den Druck auf die YPG/SDF erhöhen, sich in syrische Staatsstrukturen zu integrieren. Doch das Misstrauen gegenüber Damaskus und der neuen islamistischen Regierung unter al-Scharaa ist tief, da die Kurden um ihre Autonomie und ihre fortschrittlichen Werte fürchten.

10. The Iran-Israel War: A Pyrrhic Victory?

Netanjahu agiert wie ein Spieler, der kurz davor ist, alles zu verlieren und nun alles auf eine Karte setzt.

Ein direkter Konflikt. Nach jahrelangen Stellvertreterkriegen kam es im April und Oktober 2024 zu den ersten direkten Angriffen der Islamischen Republik Iran auf Israel, gefolgt von Israels Operation "Rising Lion" im Juni 2025. Diese Eskalation, die das iranische Atomprogramm und militärische Ziele ins Visier nahm, wurde von Netanjahu als "historischer Sieg" gefeiert. Doch Raviv Drucker kritisiert, dass Netanjahu diesen Krieg wagte, um seine politische Karriere zu retten und die Kritik am 7. Oktober verstummen zu lassen, ohne strategisch zu denken.

Militärische Demütigung und US-Abhängigkeit. Der 12-tägige Krieg offenbarte die militärische Unterlegenheit des Iran, dessen Raketenabwehr Israels Angriffe kaum abfangen konnte und dessen Atomprogramm schwer beschädigt wurde. Die USA spielten eine entscheidende Rolle bei der Abwehr iranischer Angriffe und der Zerstörung von Atomanlagen wie Fordo, was Israels Abhängigkeit von Washington verdeutlichte. Trotz des Waffenstillstands bleibt die Lage angespannt, und das Pentagon schätzt, dass das iranische Atomprogramm lediglich um Monate zurückgeworfen wurde.

Verlierer: Die iranische Bevölkerung. Für die Menschen im Iran war der Krieg ein blanker Horror, geprägt von Angst, Zerstörung und dem Gefühl, von ihrem Regime verraten und von externen Mächten instrumentalisiert zu werden. Sie haben nichts gewonnen, nur verloren:

  • Wirtschaftliche Probleme verschärft.
  • Massive Schäden an Infrastruktur und Wohnhäusern.
  • Zunehmende Repression und Hinrichtungen von Regimegegnern.
  • Das Regime ist angeschlagen, aber nach innen noch intakt und gefährlicher.
    Die Hoffnung auf einen Regimewechsel, die nach Assads Sturz aufkeimte, wich der Ernüchterung, dass es nicht um sie ging, sondern um geopolitische Interessen.

11. The Weight of Peace: Hope Amidst Destruction

Ich glaube, wir brauchen gerade jetzt die Fähigkeit des Perspektivwechsels: das Aushalten von Mehrdeutigkeiten, dass wir auch denen zuhören, mit denen wir nicht einverstanden sind.

Die Sehnsucht nach Frieden. Trotz der tiefen Wunden des Konflikts, der Zerstörung und des unermesslichen Leids bleibt die Sehnsucht nach Frieden bestehen. Noa, die ihren Freund am 7. Oktober verlor, spricht nicht von Rache, sondern von der Notwendigkeit, den Weg zu ändern. Viele Israelis, wie Gadi Moses, der 482 Tage in Geiselhaft verbrachte, glauben weiterhin an eine Zwei-Staaten-Lösung und den Wiederaufbau von Kibbuzim, die einst für den Frieden standen.

Gerechtigkeit und Aufarbeitung. Für eine nachhaltige Befriedung der Region ist die Aufarbeitung von Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen unerlässlich. In Syrien fordern Syrer, dass die Verantwortlichen des Assad-Regimes vor Gericht gestellt werden. Im Libanon kämpft Monika Borgmann für Gerechtigkeit für ihren ermordeten Mann Lokman Slim. Die internationale Gemeinschaft, insbesondere Deutschland, steht vor der Herausforderung, ihre Glaubwürdigkeit durch eine konsequente Anwendung des Völkerrechts und die Verteidigung von Menschenrechten zu stärken, anstatt doppelten Standards zu folgen.

Die Rolle der Zivilgesellschaft. Inmitten der politischen und militärischen Konflikte sind es oft die Stimmen der Zivilgesellschaft, die Hoffnung geben. Israelis und Palästinenser, die sich für Dialog und Koexistenz einsetzen, Syrer, die ihr Land wieder aufbauen wollen, und Iraner, die für Freiheit kämpfen, zeigen, dass ein anderer Weg möglich ist. Die Fähigkeit zum Perspektivwechsel, das Aushalten von Mehrdeutigkeiten und das Zuhören auch derer, mit denen man nicht einverstanden ist, sind entscheidend, um die Mauern des Hasses zu überwinden und eine Zukunft des Friedens zu gestalten.

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