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Ökonomie der Zerstörung

Ökonomie der Zerstörung

Die Geschichte der Wirtschaft im Nationalsozialismus
von Adam Tooze 2007 802 Seiten
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Wichtigste Erkenntnisse

1. Die wirtschaftliche Diplomatie der Weimarer Republik: Ein nicht eingeschlagener Weg

Diese Alternative zum nationalistischen Militanz zielte ebenfalls darauf ab, die belastenden Bedingungen des Versailler Vertrags zu revidieren. Doch sie setzte nicht auf militärische Gewalt, sondern stellte die Wirtschaft in den Mittelpunkt der deutschen Außenpolitik, um weiterhin Einfluss in der Welt auszuüben.

Stresemanns Vision. In den 1920er Jahren verfolgte Gustav Stresemann, Deutschlands Außenminister, eine „atlantische Strategie“, um Deutschlands Ansehen wiederherzustellen. Er war überzeugt, dass Deutschlands Zukunft in der wirtschaftlichen Integration mit den Vereinigten Staaten und engeren Beziehungen zu Frankreich liege – nicht in militärischer Konfrontation. Dieser Ansatz strebte eine Revision des Versailler Vertrags durch finanzielle Verflechtungen und Handel an, wobei Deutschlands industrielle Stärke als Hebel diente.

Amerikanischer Einfluss. Stresemann und Reichsbankpräsident Hjalmar Schacht wollten die amerikanischen Finanzinteressen als treibende Kraft für eine Neuverhandlung der Reparationszahlungen nutzen. Durch umfangreiche Kredite aus den USA schuf Deutschland eine Situation, in der amerikanische Banken ein Interesse an der finanziellen Stabilität Deutschlands hatten und so indirekt Druck auf Großbritannien und Frankreich ausübten, die Reparationsforderungen zu mildern. Diese Strategie schien aufzugehen, wie die Dawes- und Young-Pläne mit der Reduzierung der unmittelbaren Verpflichtungen zeigten.

Die Auswirkungen der Depression. Die Weltwirtschaftskrise zerstörte jedoch dieses fragile Gleichgewicht. Die USA wandten sich dem Protektionismus zu (Smoot-Hawley-Tarif) und werteten den Dollar ab, was Deutschlands Exportfähigkeit schwächte und die Schuldenlast erhöhte. Diese wirtschaftliche Krise, verbunden mit Stresemanns frühem Tod und Schachts Abwendung zur nationalistischen Rechten, diskreditierte die atlantische Strategie und ebnete den Weg für Hitlers radikalere Vision von einseitigem Handeln und territorialer Expansion.

2. Aufrüstung: Der unerschütterliche Kern der nationalsozialistischen Wirtschaftspolitik

Das Rüstungsprogramm des Dritten Reiches war die größte Ressourcenverlagerung, die je ein kapitalistischer Staat in Friedenszeiten unternahm.

Anfängliche Prioritäten. Von Hitlers Machtübernahme an stand die Aufrüstung im Zentrum der wirtschaftlichen Zielsetzung und überstrahlte zivile Arbeitsbeschaffungsprogramme. Während das „Reinhardt-Programm“ und der Autobahnbau öffentlich propagiert wurden, floss der Großteil der frühen Staatsausgaben heimlich in den militärischen Aufbau. Bis 1935 machten die Militärausgaben fast 10 % des deutschen Bruttoinlandsprodukts aus – ein bis dahin unerreichter Wert für einen kapitalistischen Staat in Friedenszeiten.

Umlenkung der Ressourcen. Diese massive militärische Expansion wurde durch eine drastische Umverteilung nationaler Ressourcen ermöglicht:

  • Öffentliche Ausgaben: Die zivile Arbeitsbeschaffung wurde nach 1933 stark eingeschränkt, und die kommunalen Haushalte wurden zugunsten nationaler Militärprioritäten ausgedünnt.
  • Industrieller Fokus: Die Schwerindustrie, insbesondere Stahl, Chemie und Flugzeugbau, erhielt bevorzugte Behandlung und enorme Investitionen.
  • Devisenpolitik: Der „Neue Plan“ priorisierte den Import strategischer Rohstoffe für die Aufrüstung gegenüber Konsumgütern, was zu einer „einseitigen Erholung“ führte.

Über die ökonomische Logik hinaus. Hitlers Engagement für die Aufrüstung war nicht nur wirtschaftlich motiviert, sondern tief ideologisch geprägt. Er sah militärische Stärke als einzigen Weg, „Lebensraum“ zu sichern und vermeintliche Bedrohungen durch Weltmächte abzuwehren. Diese kompromisslose Fokussierung auf den militärischen Aufbau, selbst auf Kosten des zivilen Konsums und der finanziellen Stabilität, prägte das nationalsozialistische Wirtschaftssystem von Anfang an.

3. Autarkie und Ausbeutung: Deutschlands Wirtschaftskrieg vor dem Krieg

Die Aggression des Hitler-Regimes lässt sich als nachvollziehbare Reaktion auf die Spannungen verstehen, die durch die ungleiche Entwicklung des globalen Kapitalismus entstanden sind – Spannungen, die uns bis heute begleiten.

Reaktion auf die globale Krise. Angesichts des Zusammenbruchs des internationalen Handels und der Finanzmärkte in den 1930er Jahren setzte Deutschland unter Hjalmar Schachts Führung auf Autarkie und bilateralen Handel. Dies beinhaltete:

  • Schuldenverweigerung: Deutschland setzte einseitig Zahlungen auf Auslandsschulden, insbesondere gegenüber den USA, aus, um Devisen zu sparen.
  • Importkontrollen: Ein komplexes System von „Überwachungsstellen“ und Devisenrationierung wurde eingeführt, um den Import strategischer Rohstoffe für die Aufrüstung zu priorisieren.
  • Exportsubventionen: Deutsche Exporteure wurden subventioniert, oft zulasten ausländischer Gläubiger, um Marktzugang zu sichern und Devisen zu erwirtschaften.

Einseitige Erholung. Dieses System führte zu einer „einseitigen Erholung“, bei der die Schwerindustrie und aufrüstungsrelevante Sektoren florierten, während die Konsumgüterindustrie, insbesondere die Textilbranche, aufgrund von Importbeschränkungen stagnierte. Das Regime strebte zudem eine wirtschaftliche Dominanz in Südosteuropa und Lateinamerika an und sicherte sich Rohstoffe durch erzwungene Handelsabkommen. Diese wirtschaftliche Strategie vor dem Krieg war, so pragmatisch sie schien, eine Form des Wirtschaftskriegs, die Deutschland für zukünftige militärische Konflikte autark machen sollte.

4. Der drohende Schatten der amerikanischen Industrie

Historiker haben Hitlers akutes Bewusstsein für die Bedrohung durch die aufstrebende industrielle Macht der Vereinigten Staaten als dominierende globale Supermacht unterschätzt – eine Bedrohung, die auch für die übrigen europäischen Mächte galt.

Hitlers strategische Kalkulation. Bereits 1928 erkannte Hitler das immense industrielle Potenzial der USA und deren wachsende globale Dominanz. Er betrachtete den wohlhabenden amerikanischen Konsumstil und den riesigen Binnenmarkt als Vorbild für deutschen „Lebensraum“ und als langfristige, gewaltige Bedrohung. Dieses Bewusstsein nährte seine Überzeugung, dass Deutschland nur ein begrenztes Zeitfenster habe, um seine imperialen Ziele zu verwirklichen, bevor die USA unantastbar würden.

Antisemitische Sichtweise. Diese strategische Sorge war eng mit Hitlers antisemitischer Ideologie verknüpft. Er sah die USA, besonders nach der Reichspogromnacht und den Verurteilungen durch Präsident Roosevelt, zunehmend als „Zentrale des Weltjudentums“, die eine globale Verschwörung zur Einkreisung und Vernichtung des NS-Deutschlands orchestrierte. Diese paranoide Interpretation verstärkte seinen Glauben an die Unvermeidlichkeit eines Krieges mit den westlichen Mächten.

Die Zeit arbeitet gegen uns. Die wahrgenommene Bedrohung durch die amerikanische Industrie, verbunden mit dem sich beschleunigenden globalen Wettrüsten, erzeugte bei Hitler ein Gefühl der Dringlichkeit. Er war überzeugt, dass Deutschland „nichts zu gewinnen habe, wenn es wartete“, da die vereinte Wirtschaftskraft seiner Feinde, vor allem mit US-Unterstützung, schließlich überwältigend sein würde. Diese Überzeugung trieb seinen aggressiven Kriegszeitplan voran, selbst als Deutschlands militärische Vorbereitungen noch unvollständig waren.

5. Blitzkrieg: Eine riskante Improvisation, keine große Strategie

Der Blitzsieg in Frankreich entstand somit nicht als logischer Endpunkt einer sorgfältig ausgearbeiteten strategischen Synthese, sondern als inspirierte, risikoreiche Improvisation – eine „schnelle militärische Lösung“ für die strategischen Dilemmata, die Hitler und die deutsche Militärführung bis Februar 1940 nicht lösen konnten.

Unvorbereitet auf einen langen Krieg. Trotz jahrelanger Aufrüstung trat Deutschland 1939 in den Zweiten Weltkrieg ein, ohne auf einen langwierigen Konflikt mit Großbritannien und Frankreich vorbereitet zu sein. Rohstoffmangel, besonders bei Stahl und Nichteisenmetallen, erschwerte die Produktion von Munition und Panzern erheblich. Die deutsche Militärführung, darunter General Thomas und Admiral Raeder, äußerte tiefen Pessimismus hinsichtlich der Fähigkeit, einen langwierigen Krieg zu gewinnen.

Das französische Wagnis. Der überwältigende Sieg in Frankreich im Mai 1940 war nicht das Ergebnis einer vorab geplanten „Blitzkrieg“-Strategie mit technologischer Überlegenheit. Vielmehr handelte es sich um eine kühne, riskante Improvisation, die General Manstein entwickelte und die Hitler erst wenige Monate vor dem Angriff übernahm. Der Plan basierte auf:

  • Konzentration der Kräfte: Massenansammlung von Panzern an einem unerwarteten Punkt (den Ardennen).
  • Strategische Täuschung: Scheinangriffe im Norden, um die alliierten Kräfte abzulenken.
  • Geschwindigkeit und Manöver: Überwältigung der alliierten Führung durch schnelle Vorstöße.

Trügerischer Sieg. Obwohl der Sieg entscheidend war, forderte er hohe Verluste bei der Luftwaffe und beruhte auf geografischen Bedingungen, die sich nicht wiederholen ließen. Der Mythos des Blitzkriegs, der deutsche technologische und moralische Überlegenheit betonte, diente als mächtige Propaganda, verschleierte jedoch die prekäre strategische Lage Deutschlands und die planlose Natur seiner militärischen Führung.

6. Barbarossa: Eine große Strategie der rassischen und wirtschaftlichen Vernichtung

Der deutsche Überfall auf die Sowjetunion ist besser als der letzte große Landraub in der langen und blutigen Geschichte des europäischen Kolonialismus zu verstehen.

Strategisches Gebot. Nach dem Scheitern, Großbritannien 1940 zu besiegen, und der wachsenden Bedrohung durch eine US-Intervention betrachtete Hitler die Eroberung der Sowjetunion als unerlässlich, um „Lebensraum“ und die Ressourcen für einen globalen Krieg zu sichern. Dies war nicht nur ein ideologischer Kreuzzug, sondern ein kalkulierter strategischer Schritt, um Deutschlands Position zu festigen, bevor das volle Gewicht der anglo-amerikanischen Allianz wirksam werden konnte.

Völkermörderischer Plan. Der Überfall auf die Sowjetunion wurde von einem beispiellosen Programm von Massenmord und demographischer Umgestaltung begleitet:

  • Der Hungerplan: Von Wehrmacht und Ernährungsministerium vereinbart, zielte dieser Plan darauf ab, Millionen sowjetischer Stadtbewohner zu verhungern, um die Nahrungsmittel nach Deutschland umzuleiten.
  • Generalplan Ost: Die SS unter Himmler entwickelte diesen langfristigen Plan zur Entfernung von 30 bis 45 Millionen Slawen und Juden, die durch deutsche Kolonisten ersetzt und als Arbeitskräfte ausgebeutet werden sollten.
  • Die Endlösung: Die systematische Vernichtung der europäischen Juden, zunächst auf die Sowjetunion und Polen fokussiert, war eng mit diesen kolonialen Ambitionen verknüpft.

Wirtschaftliche Ausbeutung. Ziel war es, die riesigen Gebiete der Sowjetunion in eine autarke landwirtschaftliche und industrielle Basis für das Deutsche Reich zu verwandeln. Dazu gehörte die Beschlagnahme von Getreide aus der Ukraine, die Ausbeutung von Bodenschätzen und der Einsatz von Millionen sowjetischer Bürger als Zwangsarbeiter. Diese „große Strategie des Rassenkriegs“ zielte darauf ab, das globale Machtgefüge grundlegend zu verändern und ein kontinentales Imperium zu schaffen, das mit den USA konkurrieren konnte.

7. Das Debakel von Moskau: Deutschlands entscheidender strategischer Wendepunkt

Mit dem Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941 hatte Hitler darauf gewettet, dass die Wehrmacht einen Zweifrontenkrieg führen könne, solange die Rote Armee bis Jahresende vernichtet werde. Wie sich im November 1941 zeigte, war dies eine vergebliche Hoffnung.

Unterschätzung des Gegners. Die Barbarossa-Offensive, die größte militärische Operation der Geschichte, basierte auf der Annahme, dass die Rote Armee schnell zusammenbrechen würde, ähnlich wie Frankreich. Doch die Deutschen unterschätzten die sowjetische Widerstandskraft, Personalstärke und industrielle Kapazität erheblich. Trotz verheerender Anfangsverluste schlug die Rote Armee zurück und kämpfte weiter.

Logistische Grenzen. Der Vormarsch der Wehrmacht wurde durch schwere logistische Probleme gebremst, besonders jenseits der Dnjepr-Dwina-Linie. Die enormen Entfernungen, schlechte Infrastruktur und der Wintereinbruch stoppten die Offensive kurz vor Moskau. Die sowjetische Gegenoffensive im Dezember 1941 fügte schwere Verluste zu und zerstörte den Mythos der deutschen Unbesiegbarkeit.

Globale Folgen. Das Scheitern, die Sowjetunion 1941 zu besiegen, hatte katastrophale strategische Konsequenzen:

  • Zweifrontenkrieg: Deutschland war nun unwiderruflich in einen langwierigen Krieg an der Ostfront verstrickt.
  • US-Kriegseintritt: Das Moskau-Debakel, zusammen mit Japans Angriff auf Pearl Harbor, führte zu Hitlers Kriegserklärung an die USA und schuf eine globale Koalition gegen Deutschland.
  • Wirtschaftliche Belastung: Der Abnutzungskrieg im Osten, verbunden mit der drohenden industriellen Übermacht der USA, offenbarte Deutschlands grundlegende Ressourcenknappheit.

Der Winter 1941/42 markierte den entscheidenden Wendepunkt des Krieges und besiegelte Deutschlands Schicksal trotz anfänglicher Erfolge.

8. Arbeit, Nahrung und Völkermord: Die verflochtene Logik der Zerstörung

Im Hinblick auf das zentrale Problem der Arbeitskräfte entsteht leicht der Eindruck, dass das Dritte Reich einem unauflösbaren Widerspruch zwischen seiner völkermörderischen Rassenideologie und den praktischen Erfordernissen der Produktion gegenüberstand.

Arbeitskräftemangel. Die enormen Verluste an der Ostfront führten zu einem schweren Arbeitskräftemangel in Deutschland. Da die einheimische Bevölkerung vollständig mobilisiert war, griff das Regime auf Zwangsarbeit aus den besetzten Gebieten zurück. Fritz Sauckel, Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz, organisierte die Rekrutierung von fast 8 Millionen ausländischen Arbeitskräften, darunter Millionen aus der Sowjetunion und Polen.

Völkermord und Ausbeutung. Dieses massive Zwangsarbeitsprogramm stand in krassem Widerspruch zu den völkermörderischen Politiken des Regimes:

  • Hungertod von Kriegsgefangenen: Millionen sowjetischer Gefangener wurden absichtlich verhungert, obwohl Deutschland dringend Arbeitskräfte benötigte.
  • Misshandlung der Ostarbeiter: Zivile „Ostarbeiter“ litten unter brutalen Bedingungen, Mangelernährung und hoher Sterblichkeit, was ihre Produktivität stark beeinträchtigte.
  • Wirtschaftliche Dimension des Holocaust: Die Vernichtung der europäischen Juden, ideologisch motiviert, beinhaltete auch eine „Selektion“ für Arbeit, wobei taugliche Personen vorübergehend für die Kriegsindustrie oder SS-Bauprojekte ausgebeutet wurden.

Das Erbe des Hungerplans. Der Hungerplan von 1941, der Millionen sowjetischer Bürger verhungern lassen sollte, beeinflusste weiterhin die Politik. Nahrungsmittelknappheit in Deutschland und den besetzten Gebieten führte zu rücksichtsloser Beschlagnahme und gezielter Entziehung von „unerwünschten“ Bevölkerungsgruppen, insbesondere Juden, um die Versorgung der Deutschen und wichtiger Arbeitskräfte zu sichern. Dieses komplexe Zusammenspiel von ideologischem Mord und pragmatischer Ausbeutung prägte die nationalsozialistische Kriegswirtschaft.

9. Speers „Rüstungswunder“: Propaganda und gnadenlose Mobilisierung

Die dramatischen Produktionszahlen sollten dem deutschen Volk zeigen, dass der Krieg durch die Anstrengungen der deutschen Arbeiter in Einheit mit dem Heldentum der Soldaten an der Front noch gewonnen werden könne.

Politische Funktion. Albert Speers Ernennung zum Rüstungsminister 1942, nach der Moskauer Krise, war ein politischer Akt. Sein „Rüstungswunder“ war ebenso ein Propagandatriumph wie ein Produktionserfolg, der die Moral stärken und Zweifel an Deutschlands Kriegsfähigkeit zum Schweigen bringen sollte. Speers Erzählung von Effizienz und Rationalisierung diente dazu, weitere Opfer zu rechtfertigen und die überwältigende materielle Überlegenheit der Alliierten zu verschleiern.

Reale Erfolge, reale Kosten. Zwar erzielte Speers Ministerium bedeutende Steigerungen in der Rüstungsproduktion, besonders 1942/43 und Anfang 1944, doch diese beruhten auf:

  • Früheren Investitionen: Inbetriebnahme von Fabriken und Technologien, die vor Speers Amtszeit initiiert wurden.
  • Rücksichtsloser Mobilisierung: Verstärkte Ausbeutung ausländischer Arbeitskräfte, darunter KZ-Häftlinge, und enormer Druck auf deutsche Arbeiter.
  • Priorisierung: Drastische Kürzungen beim zivilen Verbrauch und in nicht-essentiellen Industrien zugunsten der Rüstung.
  • Qualitätseinbußen: Massenproduktion ging oft zulasten technologischer Fortschritte, was zu veralteter Bewaffnung führte.

Grenzen des Wunders. Speers „Wunder“ war nicht grenzenlos. Es wurde durch grundlegende Rohstoffknappheit (Kohle, Stahl, Öl) und die zunehmenden alliierten Bombenangriffe begrenzt. Die Stagnation der Rüstungsproduktion Ende 1943 nach der „Schlacht im Ruhrgebiet“ zeigte die Verwundbarkeit der deutschen Industrie gegenüber äußeren Angriffen.

10. Zerfall: Der unvermeidliche Zusammenbruch von Hitlers Kriegswirtschaft

Die deutsche Wirtschaft droht in eine Anarchie zu stürzen, gegen die selbst ein erweitertes und verbessertes System der Wirtschaftslenkung vergeblich kämpfen wird.

Überwältigende Übermacht. Bis 1944 sah sich Deutschland einer unüberwindbaren materiellen Überlegenheit der Alliierten gegenüber. Die kombinierte Rüstungsproduktion von Großbritannien, der Sowjetunion und den USA übertraf die deutsche um das 3,7-fache bei Flugzeugen und das 4-fache bei Panzern. Dies war die erdrückende materielle Realität, vor der deutsche Strategen stets gewarnt hatten.

Innerer Zerfall. Trotz Speers Bemühungen begann die deutsche Kriegswirtschaft von innen heraus zu zerfallen:

  • Inflation: Massive Kriegsausgaben, stagnierende Steuereinnahmen und schwindendes öffentliches Vertrauen führten zu galoppierender Inflation und dem Zusammenbruch des Geldsystems.
  • Ressourcenerschöpfung: Der Verlust wichtiger Gebiete (Ukraine, Rumänien) schnitt Deutschland von lebenswichtigen Rohstoffen ab, während alliierte Bomben systematisch Infrastruktur und synthetische Treibstoffanlagen zerstörten.
  • Arbeitskrafterschöpfung: Die brutale Ausbeutung ausländischer Arbeitskräfte und die unerbittlichen Anforderungen an die deutsche Belegschaft erreichten untragbare Grenzen.

Apokalyptisches Ende. Die letzten Kriegsmonate waren ein verzweifelter, aussichtsloser Kampf. Speers letzte Anstrengungen, darunter das V2-Raketenprogramm und die Massenproduktion von Düsenjägern, kamen zu spät und waren unzureichend. Das Regime griff zu extremer Zwangsmobilisierung, wobei Speer und Himmler eine brutale Allianz schmiedeten, um jede letzte Ressource herauszupressen. Deutschlands Städte wurden dem Erdboden gleichgemacht, die Industrie zerstört und die Bevölkerung dezimiert – die Erfüllung von Hitlers eigener Prophezeiung einer nationalen Katastrophe.

Zuletzt aktualisiert:

Report Issue

Rezensionsübersicht

4.54 von 5
Durchschnitt von 3.000+ Bewertungen von Goodreads und Amazon.

Die Kosten der Zerstörung von Adam Tooze beleuchtet die Wirtschaft des nationalsozialistischen Deutschlands anhand umfangreicher Daten und statistischer Analysen. Leser schätzen Tooze’s wirtschaftliche Perspektive, die gängige Mythen infrage stellt: Deutschland war wirtschaftlich schwächer als allgemein angenommen, Albert Speers „Rüstungswunder“ größtenteils eine Fiktion, und militärische Entscheidungen wie der Überfall auf Russland wurden eher durch Ressourcenknappheit als durch bloße Ideologie bestimmt. Das Buch zeigt detailliert, wie wirtschaftliche Zwänge die Vernichtungspolitik, insbesondere im Hinblick auf Nahrungsmittelknappheit, maßgeblich beeinflussten. Obwohl anspruchsvoll und technisch, empfanden Rezensenten das Werk als fesselnd, da es offenlegt, wie Deutschlands strukturelle wirtschaftliche Schwächen trotz vorübergehender militärischer Erfolge die Niederlage unausweichlich machten.

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Über den Autor

Adam Tooze ist ein britischer Historiker und Professor an der Columbia University, der sich auf die moderne europäische Wirtschaftsgeschichte spezialisiert hat. Zuvor lehrte er an der Universität Cambridge, wo er als Reader für moderne europäische Wirtschaftsgeschichte tätig war, sowie an der Yale University. Tooze schloss 1989 sein Studium der Wirtschaftswissenschaften am King’s College in Cambridge mit einem B.A. ab, studierte an der Freien Universität Berlin und promovierte in Wirtschaftsgeschichte an der London School of Economics. Im Jahr 2002 wurde ihm der Philip Leverhulme Prize für moderne Geschichte verliehen. Seine wirtschaftswissenschaftliche Untersuchung des nationalsozialistischen Deutschlands wurde 2006 mit dem Wolfson History Prize ausgezeichnet und begründete seinen Ruf für eine rigorose, datenbasierte historische Analyse.

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